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Schön, dass Sie hier vorbeischauen. Hier erfahren Sie von Zeit zur Zeit kleine und große Geschichten über mein schönstes Hobby - das segeln auf Jolle und Yacht.

Montag, 23. Mai 2011

Abenteuer des kleinen Mannes...

Auf der Elbe segeln, bedeutet, sich nicht nur nach dem Wind, den großen Pötten und anderen Seglern zu richten, sondern ganz besonders nach der Tide. Also für Nichtsegler: wann ist wo und wie hoch Flut oder Ebbe. Dieses Wochenende meinte der Mond es gut mit uns: Hochwasser war jeweils morgens und abends, so dass einer unserer Lieblingshäfen an der Elbe Ziel werden konnte: Otterndorf.

Es ist ein malerisch kleiner Hafen eigentlich fast nur für Sportboote und bietet neben einem traumhaft schönen Sonnenuntergang über der Elbmündung auch einen sehr netten Hafenmeister inkl. kostenlosen zumeist älteren Leihfahrrädern.

Freitag abend sind wir wie immer gut bepackt an Bord unserer kleinen schmucken Yacht. Wir genießen es, schon mal an Bord zu schlafen, auch wenn am nächsten Morgen das Ablegen zu relativ humanen Zeiten stattfinden kann. Irgendwie ist das Wochenendfeeling umso intensiver, desto länger wir an Bord leben können.

Samstag Morgen starten wir bei herrlichen Sonnenschein und ziemlicher Flaute elbabwärts. Nur unter Motor ist es leider etwas fade, aber auf dem Wasser sein ist alles:-) Einlaufen in den schmalen und flachen Priel können wir erst gegen 14 Uhr, somit durften wir noch eine Stunde lang ankern. Auch im Hafen war das Anlegen nur zeitverzögert möglich - wir saßen im Schlick fest.

Nach diesem kleinen Intermezzo ergatterten wir schnell die letzten Fahrräder und erkundeten mal wieder die kleine Stadt Otterndorf. Wir entdecken immer wieder neue malerische Altstadtgassen. Zurück an Bord schäle ich den mitgeführten Spargel und wir genießen unser Abendessen bei tiefstehender Sonne und einem leckeren Glas Weißwein im Cockpit.

Vollgefüllte Bäuche sind allerdings kein Vorwand, den Abwasch nicht! zu erledigen. Anschließend spazieren wir an der Medem in den Abend hinein und nach diversen Umwegen kommen wir weit nach Sonnenuntergang wieder zurück an Bord.

Am Sonntag morgen scheint die Sonne nur noch trübe - wir malträtieren unseren werten Popo auf ein neues mit den Leihfahrrädern, bewundern die Ruderregatta auf der Medem, essen noch ein Eis in der Innenstadt und sind zum Glück rechtzeitig vor dem angekündigten Regen zurück an Bord. Hier warten wir 3 Stunden bei Buch, Kartenaktualisierungen und Schlummern auf die einsetzende Flut. DW 07 sagt Gewitter und Regen mit Böen bis 9 Beaufort voraus. Mir ist wie immer bei solchen Vorhersagen etwas mulmig.

Um kurz nach 15 Uhr ist genügend Wasser im Hafenbecken und der 2. Regenguss gerade beendet. Wir hissen das Großsegel und auf der Elbe gleich auch die Genua. Der Wind schläft ein - wie blöd ist das denn!
Also: Motor an, aber alle Segel noch oben lassen bitte. Es dauert nicht lange und die nächste bedrohliche Wolkenwand wächst schnell hinter uns hoch. Meine Vorahnung kommt mir wieder in den Sinn: Böen bis 9 Beaufort. Mit Schwung landet das Kreuzworträtsel unter Deck, die Öljacke wird angezogen und schon prasselt der Regen auf uns nieder. Mein Mann steuert schon wieder unter Segel mit Wind von achtern. Plötzlich ein starker Windrichtungswechsel. Ich hole schnell das Schiebeluk für den Niedergang hoch, um insbesondere meine Koje vor dem Nasswerden zu schützen. Gleich schon sagt Manfred in der im eigenen ruhigen und ich finde viel zu leisen Art: "das Großsegel muss runter." HÄH? "Kannst du bitte etwas lauter reden?" Die Gewitterböe ist da - zwar nicht mit 9 Beaufort, aber gruselig genug. Schnell habe ich das Großsegel runtergezerrt und ... schon ist der Spuk wieder vorbei. Wir einigen uns auf: das kleine Abenteuer!
Nur unter Genua segeln wir recht komfortabel die restlichen 12 Meilen gen Heimathafen. Rechtzeitig vor dem nächsten Regenschauer kann ich Manfred auch davon überzeugen, die wieder getrocknete Genua zu bergen und zu verstauen.

Wir sind glücklich, zufrieden und nicht nass, als wir an unserem Liegeplatz ankommen. Schnell ist das Schiff aufgeklart, die Sachen eingeräumt und wir auf dem Weg nach Hause.... mit einem kleinen Lächeln im Gesicht: was für ein schönes Abenteuer (zumindest für mich).

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